Wassertrüdingen: Neues aus einer alten Stadt

Hausberg Hesselberg

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Schon mal irgendwann im südwestlichen Mittelfranken gewesen – dort, wo sich das Fränkische klammheimlich mit dem Schwäbischen und ein bisschen vielleicht auch mit dem Oberbairischen mischt? Und kennt Ihr das, dass man schon an allen möglichen Plätzen und Orten auf der Welt war und sich eingehend über deren Geschichte informiert hat, aber vor der eigenen Haustüre noch nie auch nur eine Stadtführung mitgemacht hat? So ging es mir bis vor Kurzem auch – zumindest, was das südwestmittelfränkische Städtchen Wassertrüdingen angeht, wo ich das Vergnüngen hatte, die Grundschule zu besuchen. Auch dieser Ort am Fuße des Hesselbergs, des höchsten Buckels Mittelfrankens, soll in Zukunft mehr vom Tourismus profitieren, so dass in der jüngsten Vergangenheit allerlei Infotafeln an Häusern angebracht wurden, die von historischer Relevanz sind. Man kann sich aber auch alles im Rahmen eines geführten Altstadtrundganges erklären lassen kann. Gar nicht mal so uninteressant!

Eine kleine Zusammenfassung…

Meine Runde beginnt an der Wörnitzwiese, die einmal im Jahr auch als Volksfestplatz dient. Von hier aus kann man zu ausgedehnten Touren ins Wörnitztal starten, oder auch zum kürzlich renovierten Flussfreibad gehen. Nahe der Wörnitzwiese ist auch das alte Wasserschloss aus dem 12. Jahrhundert, das heute einen Stift für Menschen mit Behinderung beherbergt.

Hier kann man als unbeteiligter Dritter allerdings nicht einfach zur Marktstraße durchgehen. Stattdessen muss man einen kleinen Umweg machen und das, was früher einmal das Mühltor gewesen ist, passieren. Das Tor ist schon lange abgetragen, aber einige Mühlengebäude, die sich ehedem außerhalb der Stadt befanden, sind noch erhalten.

Weiter geht’s zur früheren Synagoge, heute ein eher schlichtes Wohnhaus, und vorbei an der ehemaligen Michaeliskapelle, die zeitweise auch als Gefängnis für Steuersünder gedient hatte.

ehemalige SchuleDann gelangt man zum alten Schulhaus, das derzeit zu modernen (und nicht ganz billigen) Eigentumswohnungen umgestaltet wird. Ganz in der Nähe befinden sich weitere Neubauten, die direkt an ein großes Reststück Stadtmauer grenzen, in das interessanterweise sanitäre Anlagen aus einem abgebrochenen Altbau integriert sind 😉 Wer Erholung sucht, kann sich seit Kurzem im neu angelegten Sonnenuhrenpark aufhalten.

Weiter nach Norden und einmal rechts um die Biege kann man schließlich die Altstadt durch das einzige (von dreien) erhaltene Stadttor betreten. Neben dem „Törle“, wie es im fränkisch-schwäbischen Jargon heißt, liegt direkt das neue Fluvius-Museum, und in dem Durchgang kann man sich beim „Torbäck“ mit Backwaren eindecken. Dahinter eröffnet sich der ehemalige Marktplatz, dessen prominentestes Gebäude das Rathaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Zuvor stand hier ein Fachwerkbau, der es jedoch nicht bis in die Neuzeit geschafft hat. Weitere interessante Haltepunkte am Marktplatz sind das Geburtshaus von Professor Dr. Hans Nathan Kohn und die ehemalige Postkutschenstation, die heute eine Drogerie ist. Hans Kohn ist einer der durchaus vorhandenen berühmten Söhne der Stadt und war ein angesehener Lungenarzt.

Eine weitere bedeutende Persönlichkeit Wassertrüdingens war Johann David Steingruber, markgräflicher Baumeister, der im 18. Jahrhundert lebte. Die Stadt gehörte damals zur Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Beispiele für die markgräfliche Bautätigkeit – Wassertrüdingen war von den Zerstörungen des 30jährigen Krieges natürlich auch nicht verschont geblieben – sind zum Beispiel Handwerkerwohnhäuser. Das Wohnrecht musste nach Bezug abgearbeitet werden – fast wie heute also, wo sich der Erwerb von Wohneigentum meist mit horrender Schuldenlast verbindet…

Vermischtes

Auf einem Stadtspaziergang lässt sich also auch in einer Stadt von wenigen Tausend Seelen immer noch Neues entdecken! Drückt mir die Daumen, dass ich es auch endlich einmal schaffe, mich mehr mit dem mittelalterlichen Nürnberg zu beschäftigen 😉

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