Bauernfeindsiedlung Nürnberg

Letztens war ich im äußersten Südosten von Nürnberg unterwegs. Eigentlich ist ja der gesamte Süden (mit Ausnahme des Nibelungenviertels) als ehemaliges Arbeiterviertel von jeher durch genossenschaftlichen Wohnungsbau geprägt. Auf der anderen Seite aber auch von großer Kriegsverwüstung und der typischen Wiederaufbauarchitektur.

Planetenring Ecke Bauernfeind

Planetenring Ecke Bauernfeind

Beispiele für genossenschaftlichen Wohnungsbau aus den 20er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts direkt nebeneinander kann man in der Rangierbahnhofsiedlung sehen. Zum einen gibt es dort die gartenstadtähnliche Siedlung an der Bauernfeindstraße, zum anderen die „Parkwohnanlage Zollhaus“ mit ihrer spacigen Architektur.

Bauernfeindsiedlung

Gartenstädte, wie sie ursprünglich gedacht waren, sollten neben arbeitsplatznahem Wohnen auch Flächen für den Obst- und Gemüseanbau zur Deckung des Eigenbedarfs bieten. In Zeiten, in denen Lebensmittel oft einen  Großteil der Einkünfte (Achtung: Wortspiel!) auffraßen, ein äußerst wichtiger Gesichtspunkt.

Die Rangierbahnhofsiedlung, die von 1907 bis 1928 von der Baugenossenschaft des Eisenbahnpersonals (BdE) erbaut wurde, wurde in diesem Stil angelegt. Wie der Name schon sagt, sollten hier diejenigen mit ihren Familien untergebracht werden, die am nahe gelegenen Ragierbahnhof arbeiteten.

Dieser existierte seit 1903. Ansonsten muss man sich das Areal so vorstellen, dass es um die Jahrhundertwende nicht besonders viel gab – der Rangierbahnhof war mehr oder weniger auf der grünen Wiese entstanden. Was natürlich auch in Zeiten, wo das eigene Automobil wenig verbreitet war, das Problem aufwarf, wie man denn zur Arbeitsstätte gelangen sollte.

Die ehemalige Arbeitersiedlung an der Bauernfeindstraße – benannt nach dem Brückenbauingenieur Karl Maximilian von Bauernfeind – betritt man durch einen mit Ornamenten verzierten Torbogen. Dadurch entsteht der Eindruck der Abgeschlossenheit der gesamten Anlage. Gebaut wurde ausgehen von der „Burg“ – einem Gebäudekomplex, der auf einer kleinen Anhöhe steht.

Die Häuser sind meist dreigeschossig und verfüge über ein Zwerchhaus – was ungefähr so aussieht, als wenn ein Haus quer in das Haupthaus hineingestellt worden wäre. Geplant wurden die Siedlungshäuser von Architekt German Bestelmeyer. Rund 1.500 Bewohner fanden hier Platz.

Kunst im öffentlichen Raum

Es sollte auch schön sein.

Auch eigene Läden und Gaststätten gab es. Das ist heute leider nur noch in begrenztem Ausmaß der Fall. Wer etwas erleben will, muss aus dem „Kiez“ raus. Was aber auch kein so großes Problem ist, da heutzutage die U-Bahn gleich um die Ecke abfährt.

 

Funfacts:

  • Der Saalbau der Genossenschaft von 1928 war vor dem Ersten Weltkrieg stets abgelehnt worden, da man fürchtete, er werde zu  einer Keimzelle gemeingefährlicher sozialistischer Umtriebe.
  • In der Bauernfeindsiedlung findet man mit St. Paul die einzige Jugendstilkirche Nürnbergs.
  • Gleich neben dem Eingang zur Bauernfeindstraße liegt das mittlerweile verlassene ehemalige Bahn-Ausbesserungswerk – eine beliebter Anlaufpunkt für Fans von sogenannten „Lost Places“.

 

Mehr zur benachbarten Parkwohnanlage Zollhaus lest Ihr in Kürze!

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