Kommunaler Wohnungsbau in Wien

Wer nach Wien kommt und sich halbwegs für Architektur interessiert, findet hier ein einzigartiges Freilichtmuseum mit Baudenkmälern aller Art vor. Ein Beispiel dafür, dass sozialer Wohnungsbau durchaus beeindruckend sein kann, ist der Karl Marx Hof.

Man fährt am besten mit der S-Bahn zum Bahnhof Heiligenstadt. Von dort aus ist es nur ein kurzer Fußweg zum „KMH“, einem Wohnblock von „monumentalen“ Ausmaßen. Man ist schon ein bisschen unterwegs, wenn man die über einen Kilometer lange Fassade ablaufen will!

Ein bisschen Geschichte

Während der Zeit des „Roten Wien“ wurden immense Geldsummen für den kommunalen Wohnungsbau aufgewendet, denn zu jener Zeit war insbesondere für die Arbeiterklasse menschenwürdiger Wohnraum mit zumindest einem Ansatz von modernem Komfort Mangelware. Nach dem ersten Weltkrieg war die Situation besonders gravierend.

Eine wichtige Voraussetzung für das Auflegen eines groß angelegten Wohnungsbauprogramms war die vorhergegangene Wahlrechtsänderung. Diese bewirkte, dass in Wien, das seit Kurzem als eigenes Bundesland regiert wurde, die SPÖ an die Macht kam. Schöner Nebeneffekt der erhöhten Bautätigkeit: Die Arbeitslosenquote in Wien sank.

Großprojekt, das heute noch modern wirkt

Insgesamt wurden so ca. 250.000 Wohneinheiten geschaffen. Teil dieses Riesenprojekts war bzw. ist der Karl Marx Hof im Wiener Norden. Geplant hat ihn Karl Ehn, der auch für weitere Bauprojekte aus dieser Zeit verantwortlich zeichnete und stilprägend wirkte. Die Arbeiten am Karl Marx Hof wurden 1930 abgeschlossen.

Er bot neben 1.382 Wohneinheiten für ca. 5000 Menschen auch Raum für Gewerbe, Gesundheitsversorgung und Bildungseinrichten. Die Hof-Bewohner fanden viele Dinge für den täglichen Bedarf gleich vor der Wohnungstür: Kinder-, Jugend- und Familieneinrichtungen, Bibliothek, Ärzte, die Post, Vereinslokale und natürlich (wir sind in Wien!) Kaffeehäuser. Auch an Grünflächen fehlt es nicht.

Dieses Konzept mit kurzen Wegen kann man als durchaus modern bezeichnen. In den Anfangsjahren gab es außerdem zentrale Bäder und Waschhäuser – fließend Wasser in der Wohnung war damals noch nicht besonders weit verbreitet. Heutige Bewohner des KMH verfügen aber selbstverständlich darüber 😉

Insgesamt war der KHM nicht nur eine „Verwahranstalt“ für Minderbemittelte, sondern ein Platz, wo Wohnen und Leben möglich war.

Übrigens …

Der KMH war nach der „Angliederung“ Österreichs an Nazi-Deutschland übrigens ein Zentrum des Widerstandes gegen den Austrofaschismus.

Leider waren wir am falschen Tag dort, sonst hätten wir uns mit Sicherheit die Ausstellung über das „Rote Wien“ in einem der ehemaligen Waschsalons angeschaut. Wer zufällig vorbeikommt, —>hier<— sind die Öffnungszeiten!

Links zum Weiterlesen:

Lexikon der Wiener Sozialdemokratie

Wien – Europäische Metropole im Wandel

Gestern gebloggt – heute das hier passend dazu gefunden:
Vorbild Wiener Modell in der ARD

BlogF Partner Blog

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